Wittgensteiner Schieferpfad (Rothaargebirge)

„Mehr Schein als Sein“ – Wittgenstein

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(mehr Bilder finden Sie weiter unten auf dieser Seite im Rahmen einer „Fotostrecke“)

„Mehr Schein als Sein“ – besser als mit dieser Redewendung kann man den Charakter dieser Wanderstrecke wohl nicht umschreiben. Damit wird auch bereits im allerersten Satz klar, dass dieser Tourbericht keine Lobeshymne wird. Dass wir die Strecke trotz der im Folgenden ausgeführten eklatanten Mängel für würdig erachten, hier vorgestellt und (zumindest in Teilen) gegangen zu werden, ist der Tatsache geschuldet, dass sie durchaus reizvolle Abschnitte besitzt.

Selbstverständlich ist das Urteil, das man letztendlich über einen Gegenstand, einen Sachverhalt oder eben auch eine Wanderroute fällt, nicht unerheblich von Erwartungshaltung und Vergleichsobjekten abhängig. Und selbstverständlich ist uns klar, dass jede Strecke und jede Landschaft bei trübem, kühlem Wetter rein gefühlsmäßig an Flair verliert. Deshalb vorweg: Unsere Erwartung an eine gut angelegte, spannende Strecke beinhaltet einige echte optische Highlights, möglichst große Vielfalt im Hinblick auf Topografie und Vegetation, ein wenig Abenteuerfeeling, das wohltuende Fehlen störender, stressender, zivilisationsbedingter Faktoren wie etwa Industrielärm oder Betonbauwerke und gern auch ein wenig motorischen Anspruch. Außerdem sind wir davon überzeugt, dass eine wirklich schöne Strecke auch ohne Sonnenschein noch das Zeug hat, dem Outdoor-Fan den einen oder anderen erfreuten Ausruf zu entlocken.

Im Gegensatz zu einigen Wanderern, die zu unserer Verwunderung im Netz relativ begeistert von dieser Strecke berichten, sind wir der Ansicht, dass die Tour unter oben genannten Gesichtspunkten sicher sehr nett für begeisterte Spaziergänger aber eine Enttäuschung für erfahrene, ambitionierte (Berg)Wanderer ist.

Der rund 15 Kilometer lange „Wittgensteiner Schieferpfad“ im Rothaargebirge wurde von uns an einem verhangenen Spätoktober-Montag bei etwa 7° C gewandert. Die gefühlte Temperatur lag noch weit darunter, was vermutlich nicht zuletzt auf die optische Kühle der Umgebung mit ihren überwiegend grau in grau schiefergetäfelten und -gedeckten Häusern zurückzuführen war, so dass wir trotz angepasster Kleidung vormittags am Parkplatz bereits fröstelnd starteten. Einem Internetbericht vertrauend freuten wir uns nach fast zweistündiger Anreise dennoch auf eine spannende, landschaftlich schöne Strecke mit industrie-historischen Exkursionen am Wegesrand. Dass die Gegend durch den massiven Schieferabbau dauerhaft geprägt ist, war uns klar und wurde von uns erst einmal wertfrei als interessante Besonderheit im Hinterkopf mitgeführt.
Kurzum: Was wir vorfanden, war in weiten Teilen weder hübsch noch über die Maßen lehrreich oder gar spannend!

Allein schon die Wegbezeichnung „Schieferpfad“ ist nur insofern korrekt als man tatsächlich mehr von diesem anthrazitfarbenen Material zu sehen bekommt als womöglich jemals zuvor in seinem Leben. Als „pfadartig“ kann man die Streckenführung allerdings nicht reinen Gewissens bezeichnen oder um unserem Unmut über die absichtliche Irreführung von Wanderfreunden durch den Wegbetreiber hier einmal in deutlichen Worten Luft zu machen:
Wenn man immer wieder wie ein Trottel auf albern anmutenden, sinnlosen, hässlichen Trampelpfaden direkt parallel zu Waldwirtschaftswegen bzw. Hauptverkehrsstraßen (manchmal gerade mal 1 m daneben!) herumgeleitet wird, wo man durch Matsch watet, sich  durchs Gestrüpp zwängt oder über Stämme kraxelt, nur um festzustellen, dass man nach spätestens 20 oder 100 Metern wieder auf dem selben, ohnehin weiterführenden Weg steht, fühlt man sich verarscht!

Hier wurde eindeutig versucht, die Strecke zu dehnen und einem Weg künstlich ein abenteuerliches, „wildes“ Flair zu verleihen, das er einfach nicht hat. Kleinen Kindern mag es Freude bereiten, sich mit Rucksack direkt neben einer Fahrbahn oder einem Schotterweg durchs Gebüsch zu schlagen – routinierte Wanderer dürften spätestens nach dem dritten Abstecher dieser Art ärgerlich werden, vor allem, wenn diese „Pfade“ dann zuweilen auch noch im Nirwana enden. An diesem Punkt streift die Kritik bereits das Thema der „Ausschilderung“, auf das wir aber an anderer Stelle näher eingehen werden.
Bedauerlicherweise ist man geneigt, die beschriebenen seltsamen Pseudo-Pfade im Nachhinein sogar noch als „angenehmeren Teil“ der Strecke zu bezeichnen. Nicht selten geht es direkt an der Landesstraße oder auf reizlosen Wirtschaftswegen entlang bzw. über trostlose Weideränder.

Hier nur noch der zweite besonders negative Aspekt der Route: Während beinahe der gesamten Tour waren wir einer Lärmbelästigung durch Straßenverkehr und auch Industrie ausgesetzt wie noch nie zuvor bei einer Wanderung. Stundenlang waren die unzähligen Pkw, Busse und Lkw, die sich durchs Tal mühen, unser nerviger akustischer und leider häufig auch optischer Begleiter.

Und ja, doch, in dieser an sich nicht reizlosen Landschaft inmitten des Naturparks Sauerland-Rothaargebirge trifft der Wanderer natürlich auch auf einige recht idyllische Fleckchen – offen gestanden nichts, wofür sich eine mehrstündige, explizite Anfahrt lohnen würde, sprich, was man nicht auch in jeweiliger Heimatnähe vorfinden würde, aber eben hübsch. Da gibt es ein paar Klippen auf dem Hügel und im Wald, drollige Esel und Ziegen hinterm Gatter am Wegesrand und eben immer wieder Unmengen von Schiefer auf Dächern, Mauern oder Halden.
Und tatsächlich wurde auch in einem hinteren Abschnitt der Strecke ein mehrere hundert Meter langer, relativ spannender Pfad in einen Waldhang modelliert, auf dem das Bergwanderer-Herz letztendlich doch noch ein paar kleine Freudenhopser macht.

Unser Fazit: Der Naturpark Sauerland-Rothaargebirge hat wunderbare Wege für passionierte Wanderer zu bieten,… aber eben nicht diesen, auch wenn er 2005 das „Deutsche Wandersiegel“ als „Prädikats-Wanderweg“ erhielt. Wer ohnehin im Urlaub, zur Kur oder auf Besuch in der Gegend von Bad Berleburg weilt, Bewegungsdrang verspürt und weder einen großartigen Fernblick noch sonstige Highlights oder technische Herausforderungen erwartet, sollte unseres Erachtens ruhig den einen oder anderen etwas weiter von Straße und Ortschaften gelegenen Abschnitt per Spaziergang erkunden.

Wanderfreude, echtes Naturerlebnis und Abschalten vom Alltag geht allerdings anders!


Länge

ca. 15 km


Landschaft

Hügelig, überwiegend Laubwald, einige einzelne Felsen, Schiefer, Schiefer, Schiefer…


Streckenführung

Für eine Wanderstrecke enorm viele Wirtschaftswege. Darüber hinaus auch Straßenquerungen und lange Abschnitte an der Hauptstraße. Suggestion von Wildnis durch Anlegen künstlicher Pseudo-Pfade. Einmal Aussicht von einem exponierten Felsen auf Unterholz und nahen Wald.


Streckenzustand

Auf den Wirtschaftswegen normal, ansonsten sehr mittelmäßig. Erfreulich: Abseits der Straße im Wald etc. wenig Unrat. Trampelpfade enden teilweise im Nichts, sind von Gestrüpp und Stämmen blockiert oder ähneln einem Schlammbad. Dürftige Beschilderung: Das Fledermaussymbol ist viel zu selten angebracht und dann häufig auch noch „versteckt“, so dass man stellenweise umherirrt bzw. ständig suchen muss. Einige, wenige Sitzbänke (unseres Wissens keine Tische). Keine Einkehrmöglichkeiten.


Schwierigkeitsgrad

Aufgrund der Streckenlänge, einiger Steigungen, der Orientierungsprobleme und der eingebauten Schikanen mittel.


Erforderliches Equipment

Festes Schuhwerk. Proviant. Niedrige Erwartungshaltung! 😉


Familientauglichkeit

Mit lauffreudigen Kindern im Schulalter gut machbar. Für Kinderwagen und Buggys nicht geeignet.


Wandern mit Hund

Kein Problem für gesunde Tiere.


Tipps

Dürftige Beschilderung: Karte mitnehmen!

Um weniger Lärmbelästigung zu haben, vielleicht besser sonntags und wenn sich Laub an den Bäumen befindet laufen.

Hellen, sonnigen Tag wählen, da die Optik sonst ein wenig trübsinnig machen kann.


Foto-Streckenbeschreibung

(Bilder bitte anklicken, um sie im Großformat zu betrachten)

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Unweit des Wanderparkplatzes beim Ort Raumland am Südhang des Rothaargebirges im nordrhein-westfälischen Sauerland: kein Wegekreuz, das den Wanderer zu kurzer Andacht einladen möchte, sondern ein alter Zaunpfahl vor einer Wand des ehemaligen Schieferabbaugebietes „Hörre“. Hinter hohem Maschendrahtzaun tummeln sich hier heute Ziegen und beäugen den Wanderer interessiert. Raumland ist ein Ortsteil von Bad Berleburg im Kreis Siegen-Wittgenstein.
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Saalartig öffnet sich eine große Bucht im Gestein rechts des Weges – ein ehemaliger Tagesbruch. Jemand hat aus alten Baumstämmen pfiffig drei Sessel gesägt. „Bei schönem Wetter müsste man in dieser offenen „Halle“ toll feiern können!“, kam uns in den Sinn.

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Immer der Fledermaus folgen, mit der dieser Weg gekennzeichnet ist. Leider ist er dies nur sporadisch und oft so unscheinbar, dass man sich verläuft, wenn man nicht ganz konzentriert nach dem geflügelten „Nachtschwärmer“ Ausschau hält. Ralf lächelt, denn an dieser Stelle ist er noch in dem Glauben, der permanente, nicht ausblendbare Verkehrs- und Industrielärm, der von B480 und Ortschaft zu uns heraufdringt, werde nun bald versiegen. Zu früh gefreut: Der Krach bleibt fast die ganze Zeit über unser Begleiter! Krach bei der Brotzeit, Krach im Wald, Krach auf der Klippe…
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Lacht noch in Vorfreude auf vermeintliche Naturhighlights und hat noch nicht ganz begriffen, dass der serpentinen-artige, abschüssige „Pfad“ über die Waldböschung nur der Unterhaltung des Wanderers in Ermangelung echter Highlights dient und eine Art Beschäftigungstherapie darstellt, die sich auf der Tour leider noch allzu oft wiederholen wird.
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Lehrmaterial zur Historie der Gegend auf einer Tafel. Schüler hatten an dieser Stelle vor einigen Jahren eine alte Straße freigelegt, auf der sich deutlich die Spuren der eisenbeschlagenen Räder von den Karren eingeschliffen hatten, auf denen Eisenerz oder Holzkohle einst bergab befördert wurde.
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Zeugnisse einer arbeitsreichen, beschwerlichen Vergangenheit in den Stein gemahlen.
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Wir haben das Steinbachtal hinter uns gelassen und nähern uns der höchsten Stelle der Tour. Leider wollte der Himmel an diesem Tag in diesem ohnehin regenreichen Gebiet gar nicht aufziehen.
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Kammartig erhebt sich der Felsgrad des „Fredlar“ auf 576 m Höhe. Genau diese Erhebung hatte uns als begeisterte Klippen- und Bergfreunde eigentlich zu der Tour bewogen.
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Voilà, der topografische Höhepunkt der Strecke. So richtig glücklich schaut Ralf allerdings nicht in die Kamera, denn wie man sieht,…
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… sieht man nicht viel: Schonungen, Weide, Waldrand, Nebel und eine Klippe, die fast jedes fünfjährige Kind leicht „erklimmen“ kann und die selbst Höhenphobikern kaum das Fürchten lehren wird.
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Statt Schiefer hier einmal Basalt in schöner Formation.
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Eine Klippe aus Basalt auch unterhalb der Bank, auf der wir hier unsere zweite Brotzeit einnahmen.
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„Braut“ und „Bräutigam“ heißen die schön schillernden Basaltklippen, die der Wanderer hier im Eichenwald des Naturschutzgebietes Honert passiert.
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Schieferhalden säumen die Strecke auf dem Weg zum Bilsterbachtal, der sich leider ein wenig trist hinzieht.
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Aufgrund der schlechter werdenden Licht- und Witterungsverhältnisse ziemlich unscharf: langsam wird die Strecke ein bisschen „abenteuerlicher“, wenn sie landschaftlich – zumindest zu dieser Jahreszeit und trüben Witterung – auch nicht so viel hergibt.
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Wir erreichen den „Feuerweg“ und sind uns aus sicher verständlichen Gründen nicht ganz sicher, ob wir ihn wirklich betreten möchten… und können.
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Unnachahmlich das Geräusch, das sich ergibt, wenn man die Wanderschuhe mühsam aus dem Morast zieht, in dem man fast knöcheltief versinkt, während man sich vorsichtig vorantastet, um Ganzkörperkontakt mit dem blubbernden, braunen Matschzeug zu verhindern.
Okay, Ralf, da musst Du jetzt durch! 😉 Und Leilah gleich fluchend hinterher. Aus Anstandsgründen möchten wir an dieser Stelle auf die Widergabe des genauen Wortlautes der stattgefundenden Untergrund-Beschimpfung verzichten. 🙂
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Eigentlich ist er nämlich auch sehr idyllisch und macht Spaß, dieser „Feuerweg“, der laut Hörensagens ehemals weit oberhalb der Bahntrasse angelegt wurde, um durch den Funkenflug der Dampfloks ausgelöste Brände gut löschen zu können. Schade, dass sich der Pfad irgendwann im Nirwana verläuft.
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Letzte Aufnahme von Ralf auf dem hier sogar etwas abenteuerlich ausgesetzten „Feuerweg“ bevor ihn die nächste Biegung nebst einsetzender Dämmerung verschlingt. Eigentlich ist hier die Tour auch beendet bzw. sollte es sein, denn der Rückweg auf der ehemaligen Bahntrasse, jetzt Fuß- und Radweg, erst neben der Fahrbahn und im weiteren Verlauf entlang der Eder inklusive einiger kleiner Waldabstecher ist nicht wirklich unterhaltsam.

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